Hat das Grossraumbüro noch eine Zukunft?

Die Arbeitsatmosphäre ist laut und unruhig, an konzentriertes und produktives Arbeiten ist kaum zu denken und Privatsphäre gibt auch keine – die Vorurteile über Grossraumbüros sind zahlreich und halten sich hartnäckig.

Grossraumbüro

Trotzdem halten sehr viele, vor allem grössere Firmen, immer noch aus diversen Gründen an dieser Form des Arbeitsplatzmodells fest. Doch hat das Grossraumbüro angesichts der wachsenden Unzufriedenheit von Mitarbeitern mit dieser Form des Arbeitsplatzes überhaupt noch eine Zukunft?

Wie kaum zuvor in der Geschichte ist die Welt der Arbeit gegenwärtig einem radikalen Wandel unterworfen. Dieser Wandel betrifft vor allem die bis heute etablierten Arbeitsplatzstrukturen. Nicht erst seit Beginn der Coronavirus-Pandemie gibt es einen klaren Trend weg von Präsenzarbeitsplätzen in Büros hin zu Homeoffice und alternativen Arbeitsplatzmodellen wie geteilten Workspaces.

Der Wandel der Arbeitswelt wird nicht nur durch die Digitalisierung, die das flexible Arbeiten von unterschiedlichen Orten ermöglicht, vorangetrieben. Auch die jungen, auf den Arbeitsmarkt strömenden Generationen tragen ihren Teil zur Veränderung der Arbeitswelt bei.

Die Generation der 20- bis 30-Jährigen legt deutlich mehr Wert auf flexible Arbeitsmodelle und eine bessere Work-Life-Balance als ihre Vorgänger. Dementsprechend ist die 5-Tage-die-Woche-Anwesenheit in einem Firmenbüro ein Auslaufmodell.

Sind Grossraumbüros vor dem Hintergrund dieser Trends überhaupt noch zukunftsträchtig? Oder müssen sie sich einem radikalen Wandel unterziehen, um wieder an Attraktivität für junge Arbeitnehmer zu gewinnen?

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Kommunikation und Kooperation

Die einstige Grundidee, die zur massenhaften Verbreitung von Grossraumbüros führte, war die Vereinfachung der Kommunikation und der Kooperation zwischen Mitarbeitern.

Unternehmen gingen davon aus, dass in räumlicher Nähe sitzende Kollegen sich stärker miteinander austauschen und sich damit auch die Zusammenarbeit zwischen Kollegen und Teams verbessern würde. Zudem nahmen Unternehmen an, das sich durch die räumliche Nähe in einem grossen Raum auch das Teambuilding in der Firma verbessern und folglich der soziale Zusammenhalt der Mitarbeiter wachsen würde.

Diese Annahmen sind heute durch zahlreiche Studien zumindest teilweise widerlegt. Vor allem in sehr grossen und unpersönlichen Grossraumbüros, wie beispielsweise den klassischen US-amerikanischen Cubicles, verschlechtern sich mit der Zeit die Kommunikation und Kooperation zwischen den Mitarbeitern.

Hintergrund dafür ist, dass sich die Mitarbeiter permanent beobachtet fühlen. Wenn es etwas mit einem Teamkollegen zu besprechen gibt, hören die anderen Kollegen mit. Das hat die absurde Folge, dass in vielen grossen Büroräumen Kollegen über wenige Meter hinweg per E-Mail und Chat miteinander kommunizieren.

Doch die Verschlechterung von Kommunikation und Kooperation in einem grossen Büro muss nicht sein. Sie ist eher eine Folge des schlechten Designs des Büros. Ein gut gestaltetes Grossraumbüro sieht nicht aus wie eine Legebatterie, die nur aus einzelnen Arbeitsplätzen besteht.

Vielmehr besitzt es gesonderte Kommunikations- und Kooperationszonen für die Mitarbeiter, die idealerweise von den restlichen Arbeitsplätzen visuell und schalltechnisch getrennt sind. Derartige Zonen sorgen dafür, dass sich die Mitarbeiter auch an einem grossen Arbeitsort ungestört miteinander unterhalten können, ohne sich dabei beobachtet fühlen zu müssen.

Störfaktoren

Eines der grössten Probleme von Grossraumbüros sind die zahlreichen Störfaktoren, denen Mitarbeiter darin ausgesetzt sein können. Der telefonierende Kollege links, die lachende Kollegin rechts und der durch den Gang fahrende Getränkelieferant – in vielen grossen Büros übersteigt der Lärmpegel jedwedes akzeptable Niveau. Die Folge ist eine massive Ablenkung der Mitarbeiter unter der wiederum die Konzentration und die Produktivität leiden.

Selbst stressresistente und multitaskingfähige Mitarbeiter kommen in grösseren Büros oft an ihre Grenzen hinsichtlich Konzentration und Produktivität. Das Resultat der vielen Störfaktoren sind Stress- und Ermüdungserscheinungen.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Mitarbeiter in Grossraumbüros häufiger krank sind als ihre Kollegen in Einzelbüros. Studien haben sogar festgestellt, dass die Krankenrate in grossen Büroräumlichkeiten im Vergleich zu Einzelbüros proportional zu den Mitarbeitern im Raum ansteigt.

Um diese Störfaktoren bestmöglich zu minimieren, können Unternehmen zahlreiche sinnvolle innenarchitektonische Veränderungen vornehmen. So können beispielsweise an wichtigen Stellen Trenn- bzw. Schallschutzwände aufgebaut werden, um den Lärmpegel deutlich zu senken. Auch Pflanzen haben einen wohltuenden und schallschluckenden Effekt in grossen Büroflächen.

Ebenso sollten die visuellen Reize der Mitarbeiter minimiert werden. Dabei spielen sowohl die Verkehrswege als auch die Sichtachsen im Büro eine wesentliche Rolle. Mitarbeiter dürfen nicht permanent durch vorbeigehende Kollegen gestört werden oder andauernd andere Mitarbeiter im Blickfeld haben.

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Rückzugsräume

Einer der grössten Fehler bei der Planung von Grossraumbüros ist, darin keine Rückzugsräume für die Mitarbeiter vorzusehen.

Die vor allem in Ballungsräumen sehr hohen Mieten für Gewerbeflächen „zwingen“ Unternehmen dazu, die angemieteten Flächen möglichst effizient und platzsparend zu nutzen.

Das führt dazu, dass in vielen grösseren Büros die Arbeitsbereiche der Mitarbeiter zu klein dimensioniert sind und vor allem Rückzugsräume fehlen.

Wer jedoch glaubt, dass Menschen acht Stunden lang konzentriert in ihrem „kleinen Arbeitsreich“ arbeiten können, begeht einen fatalen Irrtum. Menschen brauchen auch bei der Arbeit Abwechslung und Orte, an denen sie nur für sich sein können – sei es für ein Telefonat oder eine kreative Beschäftigung.

Unternehmen sollten deshalb bei der Planung grösserer Büroflächen darauf achten, ausreichend Rückzugsorte mit einzuplanen. Diese können beispielsweise die Form von Telefonzellen, Ball Chairs oder Sitzkissen haben.

Der Kreativität in der Einrichtung von Rückzugsorten sind kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass die Mitarbeiter dort tatsächlich Ruhe finden und ungestört alleine arbeiten können.

Flexibilität

Viele Unternehmen haben nach wie vor die antiquierte Vorstellung, ein Grossraumbüro würde aus einem offenen Raum mit (möglichst vielen) Arbeitsplätzen bestehen.

Diese Vorstellung stammt vielleicht aus alten amerikanischen Filmen, in denen die Mitarbeiter tatsächlich wie in einer Legebatterie in ihren Cubicles sassen. Mit der Realität von heute hat diese Art von Bürofläche jedoch fast nichts mehr zu tun.

Moderne Bürolandschaften sind heutzutage eine Mischung aus unterschiedlichen Raumkonzepten für verschiedene Zwecke. So muss ein Grossraumbüro nicht mehr nur aus einem einzigen offenen Raum bestehen, sondern kann durchaus durch Einzelbüros und Konferenzzimmer in unterschiedlichen Grössen aufgelockert werden.

Ein grosses Büro lässt sich ohne signifikanten architektonischen Aufbau an die individuellen Vorstellungen eines Unternehmens und die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter anpassen.

Zudem ist ein weiterer Vorteil einer derart aufgelockerten grossen Bürofläche, dass sich das Arbeitsklima für alle Mitarbeiter verbessert. Ein flexibel gestaltetes Grossraumbüro hat im Regelfall eine wesentlich angenehmere Arbeitsatmosphäre als ein einheitlicher Grossraum.

Sicherheit

Nicht zuletzt muss in Zeiten einer Virus-Pandemie auch an den Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter gedacht werden. Vor allem grosse Büroflächen mit geringen Sitzabständen und wenigen Raumabtrennungen können sich in dieser Beziehung nachteilig auswirken.

Durch den geschickten Einsatz von Raumtrennern und Schutzwänden können Mitarbeiter jedoch auch in Grossraumbüros effektiv vor einer Übertragung von Viren geschützt werden. Eine grosse Bürofläche muss deshalb nicht per se eine Gefährdung der Mitarbeitergesundheit darstellen.

Fazit

Die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Einstellung jüngerer Generationen von Arbeitnehmern machen das Grossraumbüro in seiner heutigen Form scheinbar zu einem Auslaufmodell.

Wer jedoch glaubt, grössere Büroflächen haben gar keine Zukunft mehr, begeht wahrscheinlich einen Irrtum. Nach wie vor besitzen sie zahlreiche Vorteile, die von vielen Unternehmen nur nicht vernünftig genutzt werden.

Durch eine intelligente und flexible Architektur kann aus einer lauten und unruhigen Arbeitsumgebung ohne grösseren baulichen und finanziellen Aufwand ein Ort der Konzentration, der Produktivität und der Kreativität gemacht werden.

Vor dem Bezug einer grösseren Bürofläche sollten sich Unternehmen deshalb intensiv Gedanken darüber machen, wie sie den zur Verfügung stehenden Arbeitsraum am idealsten gestalten können, um la