Der Schweizer Immobilienmarkt 2020: Ausblick in turbulenten Zeiten

Niedrige Zinsen, hohe Nachfrage, steigende Preise: Diese Kausalkette prägt den Immobilienmarkt nicht erst im laufenden Jahr. Doch wohin geht die Reise am Schweizer Immobilienmarkt? Welche Trends und Entwicklungen zeichnen sich ab oder setzen sich im laufenden Jahr fort?

Immobilienmarkt Schweiz 2020

Wie wird die Zukunft für Investitionen und den Kauf von Wohnungen, Häusern und Geschäftsgebäuden aussehen? Und wie wirkt sich das alles beherrschende Thema, das Corona-Virus, auf die Lage im Immobilienbereich aus? Lesen Sie unsere Bestandsaufnahme und wagen Sie einen Blick auf kommende Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt des Landes.

Hoch bewertet, niedrige Zinsen: die Ausgangslage auf dem Schweizer Markt

Heute wie gestern träumen viele Menschen von den eigenen vier Wänden. Der Wunsch, sich ein Eigenheim zu kaufen, ist nach wie vor ungebrochen, trotz steigender Preise. In Zahlen heisst dies, dass der Preis von Einfamilienhäusern in den letzten zehn Jahren um 40% gestiegen ist, der von Eigentumswohnungen gar um 50%. Die tiefen Hypothekenzinsen verstärken diese Nachfrage enorm.

Wie die Credit Suisse ermittelte, werden die Eigentumspreise im Jahre 2020 um etwa 2 Prozent steigen - eine im Vergleich zum Vorjahr geringere, aber doch nach wie vor deutliche Steigerung. Zunehmend wird beobachtet, dass sich Eigentumsprojekte eher in ländlichen Lagen verwirklichen lassen, abseits der Agglomerationen und grossen Zentren.

Häuser sind dabei gefragter als Wohnungen. Auch für Anleger lohnt sich dank der tiefen Hypothekarzinsen die Investition in zu vermietende Wohnungen und Häuser.

Pendler profitieren von den Vorzügen von gut erschlossenen, aber dennoch ländlicher strukturierten Regionen im Umland von Basel oder Zürich. Hier sind die Preise noch günstiger, die Infrastruktur dennoch gut ausgebaut. Mit steigender Entfernung von den städtischen Räumen sinken die Preise - je weiter weg, desto weniger attraktiv für Pendler sind die Gemeinden auf dem Land.

Kostet eine mittelgrosse Eigentumswohnung mit rund 110 Quadratmetern in Zürich inzwischen etwa 1,7 Millionen Franken, schlägt eine vergleichbare Wohnung eine Stunde von der Stadt entfernt mit nicht einmal der Hälfte zu Buche.

Gerade für Pendler mit langen Anfahrtswegen sind neue Büro- und Arbeitsmodelle interessant. Hier kombinieren etwa selbständige Unternehmer Konzepte wie das Home Office mit einem Enterprise Office und sparen auf diesem Wege nicht nur Zeit und Geld.

Ihr Büro in Zürich: Kaufen, mieten oder gar teilen?

Es wird schnell deutlich, dass Büroflächen und Büroetagen, Bürokomplexe oder ganze Bürogebäude in Zürich vielgefragt und dementsprechend knapp sind.

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Dank flexibler Arbeitsplatzlösungen, die auch die Immobilienentwicklung im Blick behalten, lässt sich die Work-Life-Balance ausgeglichener gestalten: Eine verstärkte Nachfrage nach flexibleren Bürolösungen und den entsprechenden Immobilien passt zur aktuellen Entwicklung.

Was Büroflächen angeht, sind zwei Entwicklungen zu erkennen. In den Zentren der grossen Städte ist Büroraum knapp, während an den Rändern jener Agglomerationen Flächen ausreichend im Angebot sind. Allerdings zeichnet sich auch hier die Entwicklung hin zu flexiblen Lösungen ab.

Wo Büroräume nach „althergebrachtem“ Schnitt oft zu gross, nicht zugänglich genug oder nicht ebenerdig gelegen sind, steigt die Nachfrage nach flexiblen, kleinräumigen Lösungen. Gerade für Selbständige, seien es Handwerker, Künstler oder Anbieter, die Beratungs- und Trainingsräume benötigen, sind Büroräume um die 60 Quadratmeter mit optionalen Erweiterungen attraktiv. Auf diese Nachfrage wird eine deutliche Reaktion des Marktes erwartet.

Nach wie vor für Anleger mit Interesse an möglichst geringem Risiko attraktiv: die Investmentfonds. Steigende Nettoinventarwerte kompensieren nach wie vor die zurückgehenden Mieterträge, Renditeprämien liegen nach wie vor über dem langjährigen Durchschnitt. Hier bleibt für Anleger ein lohnenswertes Feld offen.

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Etwa zwei Drittel der Beschäftigten landesweit arbeiten in KMUs, die in verschiedenen Branchen tätig sind.

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Das Virus und seine Auswirkungen

Seit dem Frühjahr beschäftigt das Corona-Virus mit all seinen umwälzenden Auswirkungen auf den Alltag und die Wirtschaft die ganze Welt. Wie sich diese Verwerfungen in allen Lebensbereichen auf den Immobilienmarkt auswirken werden, ist nicht in allen Details voraussehbar. Doch erste Entwicklungen zeichnen sich bereits ab.

Natürlich bleiben die Einschränkungen und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Einbussen auch für die Immobilienbranche nicht ohne Folgen. Mit Blick auf eine mögliche Rezession unbekannter Dauer ist mit einem Rückgang von Konsum und Investitionen gleichermassen zu rechnen. Dennoch rechnen Experten damit, dass die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt moderat bleiben.

Das hat zwei Gründe: einerseits führen Krise und Rezession zu einem Rückgang der Nachfrage und damit zu einem verstärkten Druck auf die Preise. Andererseits verspricht ein eigenes Zuhause - und Käufer fürs eigene Wohnen sind auf diesem Marktsegment nach wie vor prägend vertreten - gerade in Krisenzeiten Sicherheit.

Die Besonderheiten der Corona-Krise verstärken diese Überlegungen. Wie wichtig ein angenehmes, wohnliches Umfeld während einer Pandemie ist, konnten die Menschen in den vergangenen Monaten hautnah erleben. Insofern wird das Eigenheim verstärkt in den Blickpunkt gerückt: Dadurch verschiebt sich eventuell die Nachfrage von kleinen, nahezu nur zum Schlafen genutzten Appartement-Wohnungen hin zum Wohnkonzept, in dem sich grössere Teile der Freizeitgestaltung als bisher verwirklichen lassen.

So werden allenfalls kurzfristig moderate Preisrückgänge zu erwarten sein, wenn überhaupt. Im Bereich von hochklassigen Immobilien, etwa Luxusgütern, ist allerdings durchaus mit einer gewissen Vorsicht bei den Investments und Käufen zu rechnen.

Gewerbefläche mieten

Damit Sie alles in ebenso kurzer wie dennoch detaillierter Form zur Hand haben, fassen wir für Sie zusammen, worauf Sie achten sollten.

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Die Abwärtstendenzen, die der Rezession geschuldet sind, sorgen für weiterhin niedrige Zinsen, die voraussichtlich auch im Keller bleiben werden. Die hohe Nachfrage nach Wohn- und Gewerberäumen in den Stadtzentren der Grossstädte sehen Experten nicht gefährdet, hier wird sich die Entwicklung wie gehabt forsetzen. An den Rändern der Agglomerationen allerdings könnten Leerstände leicht steigen.

Eigentümer von Gewerbeimmobilien machen turbulente Zeiten durch. Gerade dort, wo sich Umsatzeinbussen direkt auf die Mietzahlungen auswirken, ist mit Problemen zu rechnen. Flexible Büromodelle können auf die Schwankungen des Arbeitsmarktes schnell reagieren.

Arbeits- und Reiseeinschränkungen treiben den digitalen Wandel voran und verändern damit auch die Ansprüche an Immobilien, die bisher die Büroräume für Mitarbeiter vorgehalten haben. Dezentralisiertes Arbeiten und die Verlagerung ins Online-Business, die alle Bereiche in Höchstgeschwindigkeit lernen müssen, führen zu einem geringeren Flächenbedarf, aber auch zu innovativen Lösungsansätzen für den Büroraum der Zukunft.

Investieren in Schweizer Immobilien mit Blick in die Zukunft

Mehr Pendler aus den ländlicheren Regionen in die grossen Zentren, flexible Büro- und Gewerberaumlösungen, eine konstante Nachfrage nach dem Eigenheim oder der Eigentumswohnung als Alterssicherung: Der Immobilienmarkt in der Schweiz erlebt in diesem Jahr fortgesetzte Trends, aber auch Neuerungen, mit denen im Vorfeld nicht zu rechnen war.

Lohnenswert sind nach wie vor Investitionen in Bereichen, die auch in den letzten Jahren solides Wachstum gezeigt haben. Je nach Preissegment, Region und Branche sind unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten, die nicht ausschliesslich, aber doch stark von der Corona-Krise befeuert werden.

Der bereits begonnene Strukturwandel der Digitalisierung nimmt enorm an Fahrt auf und sorgt für gesteigerte Nachfrage nach innovativen Konzepten sowohl fürs Wohnen als auch für Gewerbeimmobilien, für Handel und Handwerk, für Büros und damit auch für Investoren, die in Gewerbe- und Wohnimmobilien anlegen möchten.