Brainstorming – von der Ideenfindung zur Problemlösung

Die Brainstorming-Methode zählt zu den kreativen Gruppentechniken, die für miteinander arbeitende Teams beziehungsweise Gruppen gedacht ist.

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Alle Teilnehmenden sind aufgefordert, wertfrei, unsortiert und spontan ihre Ideen zu einem konkreten Thema mitzuteilen.

Ein Moderator sammelt die Beiträge, die im weiteren Verlauf analysiert und strukturiert werden. Ziel des Verfahrens ist ein Aufheben der üblichen Denkblockaden und die daraus resultierende Verbesserung von sinnvollen Lösungsansätzen und Vorgehensweisen.

Ursprung und Sinn des Verfahrens

Brainstorming gilt bis heute als Klassiker unter den Gruppenverfahren zur gemeinsamen Ideenfindung. Die Methode wird sowohl in der freien Wirtschaft als auch in sozialen Berufszweigen genutzt und kommt immer dann zum Einsatz, wenn es gilt kreative und gerne auch ungewöhnliche Ideen zu bündeln.

Die Technik geht zurück auf zwei US-Amerikaner, den Werbefachmann Alex F. Osborn, der sie 1939 entwickelte und den Management-Theoretiker Charles Hutchison Clark, der sie im weiteren Verlauf modifizierte.

Hintergrund ist eine jahrhundertalte hinduistische Kreativitätstechnik mit den Namen Prai-Barshana (Prai = öffne dich, Barshana = Frage), die Osborn zur Entwicklung des Brainstormings inspirierte.

Als Mitinhaber einer Werbeagentur stellte er fest, dass die üblichen konventionellen Abläufe bei Konferenzen nicht dazu dienen, Ideen zu generieren, sondern diese eher noch hemmen. Entsprechend war er auf der Suche nach sinnvollen und wirksamen Möglichkeiten der Ideenfindung.

In einer miteinander arbeitenden Gruppe, die im Idealfall aus fünf bis acht Teilnehmern besteht, dient das Brainstorming einer gemeinsamen Sammlung zunächst ungefilterter Ideen. Jedes Gruppenmitglied äussert sich ohne die Bewertung der anderen Teilnehmer.

Auf diese Weise entsteht eine Sammlung von spontanen Assoziationen, Gedanken und Einfällen zu einer vorab definierten Problemstellung. Die Menge an Input sorgt dafür, dass wesentlich mehr Einfälle zusammenkommen als final benötigt werden.

Erst in der Bewertungsphase findet ein Filtern und Sortieren statt. Wesentliches Ziel bei diesem Ablauf ist ein offener und vor allem aufbrechender Umgang mit häufig festgefahrenen Problemsituationen.

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Zehn Hilfsmittel für ein Gelingen des Brainstormings

Die Brainstorming-Methode ist eine Technik des freien Assoziierens, bei der spontane und unzensierte Gedanken zu einem Thema geäussert werden. Durch das Mitteilen eigener Ideen und Bilder zu einem Problem werden auch in den anderen Gruppenmitgliedern Assoziationen geweckt, die so ebenfalls beigetragen werden.

Brainstorming im Team

Es entsteht eine Sammlung an Lösungsansätzen, wobei die Masse an Äusserungen durchaus gewünscht ist. Der freie Gedankenlauf setzt Kreativität frei und führt, jenseits von immer gleichen Ansätzen, zu neuen Prozessen und Möglichkeiten.

Folgende Aspekte sind hilfreich für einen guten Verlauf:

1. Moderation

Vor dem Beginn wird zunächst ein Moderator bestimmt. Er sorgt dafür, dass das zu bearbeitende Thema oder die zugrunde liegende Problemstellung der ganzen Gruppe bekannt ist und von allen verstanden wird.

2. Wertfreie Formulierungen

Beim Präsentieren des Themas ist es wichtig auf die Formulierungen zu achten, damit nicht bereits vorab eigene Vorstellungen in die Beschreibung der Fragestellung einfliessen und so vermeintlich gewünschte Lösungsrichtungen ungewollt vorgegeben werden.

3. Protokoll

Ein zu bestimmender Protokollant hat die Aufgabe, sämtliche geäusserten Ideen im Verlauf des Brainstormings neutral mitzuschreiben.

4. Kreativer Raum

Keine produktive Ideenfindung ohne die zugehörige kreative Räumlichkeit. Der Ort sollte den Teilnehmern genügend Platz und Inspiration für ihren Gedankenfluss bieten.

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5. Vorbereitung

Zwischen den einzelnen Phasen wird genügend Zeit für Pausen eingeplant.

6. Materialien

Je nach Setting werden für die Gruppe genügend Stifte und Papier bereitgelegt. Ein oder mehrere Flipcharts oder Stellwände sind ebenfalls erforderlich.

7. Präzision

Das Thema muss auf den Punkt und vollkommen wert- und erwartungsfrei formuliert werden. Es ist wichtig, dass es von allen Anwesenden verstanden wird.

8. Zeitbegrenzung

Jeder Brainstorming-Termin benötigt einen vorab festgelegten zeitlichen Rahmen, der für jede Phase gilt.

9. Interdisziplinäre Zusammensetzung

Wenn es das Setting ermöglicht, ist eine Vielfalt bei der Gruppenzusammensetzung wichtig. Das kann in Form unterschiedlicher Berufsgruppen oder Spezialisierungen umgesetzt werden.

10. Grundverständnis

Brainstormingprozesse sind grundsätzlich Teamprozesse. Es gibt keinen besseren oder schlechteren Ideen-Input und keinen Einzelteilnehmer, der wertvollere Beiträge leistet.

Die drei Phasen

Eine Brainstorming-Einheit besteht aus drei Phasen. Osborn benannte vier Grundregeln, die dabei als Ausgangsbasis und Leitfaden für den Prozess der kreativen Ideenfindung gelten.

  1. Kritikäusserungen gilt es zu vermeiden.

  2. Ein möglichst hoher Input ist wünschenswert.

  3. Bereits vorhandene Ideen dürfen ergänzt werden.

  4. Ungewöhnliche Einfälle sind willkommen.

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Phase 1 – die Ideenfindung

Während der Findungsphase (circa 30 bis 60 Minuten) äussern alle Teilnehmer frei ihre Gedanken zum Thema. Hierbei kommt es nicht auf die Hochwertigkeit oder Brauchbarkeit der Ideen an, sondern auf eine möglichst hohe Anzahl.

Entsprechend steht in der ersten Etappe Quantität vor Qualität. Es gibt keine Wortführer, die ruhigere Gruppenmitglieder ausbremsen könnten. Der Moderator sorgt dafür, dass alle Teilnehmer Gehör finden und die Regeln (ausreden lassen, Kritik vermeiden) eingehalten werden.

Phase 2 – die Ideensortierung

In der zweiten Phase trägt der Moderator nochmals alle geäusserten Einfälle vor. So wird gewährleistet, dass die Ideen für jeden einzelnen Teilnehmer präsent sind. Sollte es mehrere identische Äusserungen geben, ist es ausreichend, sie in einfacher Form festzuhalten.

Phase 3 – die Ideenbewertung

Die Bewertung der Ideen ist als eine Auswertung zu verstehen. Hier werden die einzelnen Gedanken in thematisch passende Gruppen sortiert und so in eine geeignete Ordnung und Struktur gebracht.

Die Gruppe ist aufgefordert, bei Bedarf wohlwollende Kritik zu äussern und miteinander die brauchbaren Ideen zu bündeln. Im gemeinsamen Austausch, der ebenfalls moderiert wird, können hilfreiche Ideen beibehalten und nicht geeignete verworfen werden.

Die Phase endet mit einer finalen Liste von für alle Beteiligten sinnvollen Vorschlägen, die als Rohmaterial für den weiteren Arbeitsprozess verstanden werden. Sie sind keinesfalls bereits die Lösung, sondern die Ideen für den Weg dorthin.

Variationen des Brainstormings

Ob Sie kreative neue Anregungen für ein Werbeprojekt benötigen, einen Ideenfindungsprozess in der Produktentwicklung anstossen oder im sozialen Berufsfeld Teamprozesse begleiten wollen - das Brainstorming-Verfahren eignet sich für zahlreiche Situationen.

Je nach Setting bestehen heute sehr vielfältige Abwandlungen der ursprünglichen Methode, die entsprechend relativ frei definiert werden. Meist bestimmen das Einsatzfeld und die Vorlieben des Initiators die Variante der Umsetzung.

Diskussion

Die folgenden drei Modifikationen stehen exemplarisch für eine grosse Anzahl von Abwandlungen. Sie werden häufig umgesetzt, unterscheiden sich dabei aber teilweise deutlich vom Grundkonzept.

Das Brainwalking

Diese Variante setzt auf Bewegung während des Prozesses der Ideenfindung. Grundgedanke ist ein postulierter Zusammenhang zwischen Bewegung und kreativem Denken.

Die Gruppe befindet sich in der Regel in einem grossen Raum oder auf einer weitläufigen Etage, die ausreichend Platz bieten für das Umherlaufen und das verteilte Platzieren von mehreren Stellwänden. Auf jeder Stellwand steht eine Fragestellung zu einer konkreten Hauptproblematik.

Die Teilnehmer bewegen sich schweigend durch den Raum, gehen dabei von Stellwand zu Stellwand und schreiben dort ihre Ideen auf.

Das Brainwriting

Hierbei sind ausschliesslich schriftliche Ideensammlungen zulässig. Mündliche Äusserungen kommen nicht vor. Das Verfahren eignet sich für grosse Gruppen und für Situationen, in denen die Teilnehmer einander unbekannt sind und somit noch wenig Vertrauen untereinander besteht.

Die Provokationstechnik

Dabei werden zunächst konventionell formulierte Aussagen in den Raum gestellt. Diese werden anschliessend so umformuliert, dass sie eine Provokation darstellen.

Beispiel: Ein Hochschulstudium dauert sechs Jahre (konventionelle Version). Ein Hochschulstudium dauert bis zur Rente (provokative Version).

Diese Variante generiert sehr schnell extrem innovative Ideen für mögliche Lösungen. Als nachteilig gilt mitunter die Schwierigkeit, daraus ein nutzbares Ergebnis abzuleiten.

Fazit

Die Brainstorming-Methode hat sich in ihren zahlreichen Einsatzfeldern über die Jahrzehnte hinweg bewährt. Da sie jenseits von Hierarchie und Konkurrenzdenken verortet ist, ermöglicht sie allen an einem Prozess beteiligten Personen sich zu äussern und innovative Ideen beizusteuern.

Sie ist ein ideales Instrument für das Teambuilding, eröffnet kreative Räume für unkonventionelle Wege und gilt als einfaches wie auch kostengünstiges Instrument zur Ideenfindung für Problemlösungen.